Mausoleum


Adresse: 39365 Sommerschenburg, Gneisenaustraße, Ortsausgang Sommerschenburg in Richtung Sommersdorf


Die sterblichen Überreste des am  23. August 1831 in Posen verstorbenen GFM Gneisenau wurden zuerst in einer Bastion der Festung Posen beigesetzt. Da die ursprünglich gewünschte Beisetzung auf seiner Besitzung im schlesischen Erdmannsdorf nicht realisiert werden konnte, erfolgte die Überführung des Sarges in die Kirche des zu seiner Domäne Sommerschenburg gehörigen Wormsdorf.

Nach dem Willen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. sollte für ihn eine würdige Grabstätte errichtet werden. Der berühmte Architekt und Baumeister Karl Friedrich Schinkel (und Freund des Generalfeldmarschalls) wurde mit der Planung der Anlage beauftragt (deren Pläne auf Entwürfen eines auf Veranlassung  von Gneisenau 1822 für seine verstorbene Tochter Agnes von Scharnhorst in Auftrag gegebenen Mausoleums fußte). Der ebenso bekannte Bildhauer Christian Daniel Rauch wurde mit der Schaffung eines dafür vorgesehenen Marmorstandbildes des Verstorbenen betraut.

Das Mausoleum war schon Mitte der 1830er Jahre fertig (siehe Der preußische Staat in allen seinen Beziehungen, herausgegeben von Leopold von Zedlitz-Neukirch,  Bd. 3, Berlin 1837, S. 207).

Aber die Herstellung des Standbildes verzögerte sich, weil das den Marmorblock aus Carrara (Italien) transportierende Schiff durch einen Sturm im Golf von Biskaya unterging. Weitere Jahre vergingen, bis ein neuer Block in Auftrag gegeben, in den Mamorbrüchen ausgewählt, herausgebrochen und auf die Reise geschickt werden konnte. Auch der Tod von König Friedrich Wilhelm III. am 7. Juni 1840 verzögerte erneut die Realisierung des Projekts. Erst sein Nachfolger Friedrich Wilhelm IV., der den Generalfeldmarschall als Kronprinz schon während des Krieges 1813-1815 begleitet und sehr verehrt hatte, sah es als eine wichtige seiner ersten Regierungsmaßnahmen an, die solange verzögerte Beisetzung und öffentliche Ehrung Gneisenaus durchzuführen.

 

 


Mausoleum und Marmorstandbild sind eine Stiftung des Königs und des preußischen Offizierkorps.
Mit einer Stiftung beteiligte sich auch der Generalkonsul Großbritanniens in Danzig und Freund Gneisenaus aus der Kolberger Zeit, Alexander Gibsone, an den Kosten für das Mausoleum.
Im Einvernehmen mit der Familie Neidhardt von Gneisenau wurde auf Gibsons Wunsch ein Denkmal-Wächterhaus im schweizerischen Stil erbaut, das „für alle Zeiten von einem verdienten Kriegsveteranen zu bewachen und zu pflegen“ sei.
Die Inflation von 1923 verschlang jedoch das Stiftungskapital. Nach dem Tode des letzten Veteranen betraute Friedrich August Graf Neidhardt von Gneisenau – seit 1882 Besitzer von Sommerschenburg – einen Angestellten der Gutsverwaltung mit der nebenberuflichen Überwachung des Mausoleums. Der letzte Wächter war der Förster Tomaschewski, der 1945 ein Opfer des Krieges wurde.

Am 18. Juni 1841 – 25. Jahrestag der Schlacht von Waterloo - fand die Feier zur Einweihung von Mausoleum und Gedenkstätte im Beisein des Königs, Angehörigen des Königlichen Hauses und des Hofes, der Generalität sowie Offizieren zahlreicher Truppenteile, der Behörden, der Geistlichkeit beider Konfessionen und der Bevölkerung statt.

Im Inneren des Tempels führen Sandsteinstufen zur eigentlichen Gruft hinab, die aus einer tonnengewölbten Vorhalle besteht, an deren hinterer Stirnseite der Bronzesarkophag des Feldherren steht. Fußboden und Seitenwände der Vorhalle bestehen aus Marmorplatten, die mit Grabinschriften der dort bestatteten Familienangehörigen beschriftet sind. Der Raum empfing ursprünglich von der Decke her blaues Licht. An der Wand über dem restaurierten Bronzesarkophag steht der Spruch:


Ich habe einen guten Kampf gekämpft,
ich habe den Lauf vollendet,
ich habe Glauben erhalten,
Hinfort wird mir beigelegt
die Krone der Gerechtigkeit"
2. Tim. 4.7.

Mausoleum

   

 

 

Bestattet sind in der Gruft:

Sarkophag:
General-Feldmarschall

August Wilhelm Anton Graf Neidhardt von Gneisenau

geb. 27. Oktober 1760
gest. 23. August 1831

 

Juliane Caroline Friederike Gräfin Neidhardt von Gneisenau

geb. Freiin von Kottwitz
geb. 12. Januar 1772
gest. 07. Dezember 1832

 

Hedwig Gräfin Neidhardt von Gneisenau

geb. 05. Juli 1868
gest. 10. September 1868

 

Bruno Graf Neidhardt von Gneisenau

Königl. Pr. Leutnant a.D.
geb. 26. November 1852
gest. 23. November 1894

 

Hugo Graf Neidhardt von Gneisenau

Königl. Rittmeister
aggreg. d. Westfälischen Dragonerreg. No. 7
geb. 29. Februar 1836
gest. 21. August 1871

 

August Hyppolit Graf Neidhardt von Gneisenau

Königl. Major a.D.
Stifter des Fideicommisses Sommerschenburg
geb. 24. Mai 1798
gest. 12. Mai 1856

 

Minna Gräfin Neidhardt von Gneisenau

geb. Ruhneke
geb. 01. Januar 1814
gest. 05. April 1897

 

Hugo Graf Neidhardt von Gneisenau

Königl. Major a.D. Majoratsherr
geb. 10. August 1804
gest. 23. Februar 1882

 

Lothar Graf Neidhardt von Gneisenau

stud. jur. et. rer. pol.
geb. 24. November 1901
gest. 15. März 1926

 

Ernestine Ottilie Wilhelmine Auguste Gräfin Neidhardt von Gneisenau

geb. 16. Oktober 1802
gest. 03. Mai 1883

 

Agnes Kunigunde von Scharnhorst geb. Gräfin Neidhardt von Gneisenau

geb. 24. April 1800
gest. 05. Juli 1822

 

Joachim Albrecht Graf Neidhardt von Gneisenau

Ehrenritter des Johanniterordens
geb. 25. Oktober 1913
gest. 28. Februar 2003

 

Über der Gruft steht auf einer halbrund geführten Mauer aus Sandsteinquadern ein dorisches Tempelchen, das den Hintergrund für das Standbild des General-Feldmarschalls bildet. Das Denkmal steht auf hohem Marmorpostament und zeigt Gneisenau mit drapierten Mantel, den Kopf unbedeckt, die Linke auf den Degen gestützt, in der Rechten eine Kartenrolle und den Blick nach Westen gewandt.

Auf der rechten Seite der aus Sandsteinquadern gebildeten nach beiden Seiten verlängerten Rückwand des Mausoleums ist Gneisenaus Leitspruch eingemeißelt, der vom Dichter Friedrich von Matthisson stammt:


 

„Lass den Schwächling angstvoll zagen!
Wer um Hohes kämpft muß wagen.
Leben gilt es oder Tod!
Lass die Wogen donnernd branden,
nur bleib immer magst du landen oder scheitern
selbst Pilot!“


 

Vor dem Standbild standen zwei preußische Mörser und zu beiden Seiten auf kleinen Hügeln zwei französische Kanonen von 1870/71, ein Geschenk des Kaisers (wurden im letzten Krieg eingeschmolzen). Heute stehen noch zwei preußische Mörser von 1878 aus der Geschützfabrik Berlin-Spandau vor dem Denkmal.

An der Restaurierung von Mausoleum, Gedenkstätte und Standbild des Generalfeldmarschalls Graf Neidhardt von Gneisenau waren als großartige und großzügige Stifter der notwendigen Geldmittel vorrangig beteiligt:

Die Stiftung Preußisches Kulturerbe in Bonn,
die Kurt-Lange-Stiftung in Bielefeld.

Die Gneisenau-Gesellschaft Sommerschenburg bedankt sich bei den Vorständen beider Stiftungen, ohne deren Hilfe der nunmehr erreichte Stand bei der Pflege und Erhaltung dieser großartigen Gedenkstätte für eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte nicht möglich gewesen wäre.

In unsere Danksagung einbezogen sind natürlich alle Handwerker, Künstler und Mithelfer, die die geplanten Maßnahmen jeweils realisierten. Zu nennen wären hier:

• Restaurierungswerkstatt Sebastian Anastasow Hundisburg
• Restaurierungsfirma Katrin Haug Berlin
• Steinservice GmbH Magdeburg
• Metallbau Otto Eger Siegersleben
• der Arnstädter Steinmetz Holger Karnahl
• der Tischlerei Herbert Kröske Fredersdorf
• die Holzwerkstatt Antje Herrmann Warmstedt
• die Werkstatt für Denkmalpflege GmbH Quedlinburg
• die Bau- und Möbeltischlerei Christoph Timme Eilsleben
• die Bestattungsfirma Bodo Steighardt Wefensleben



Nicht zuletzt bedanken wir uns bei der Gemeinde Sommerschenburg, dem Gemeinderat und Seinem umtriebigen und stets ansprechbaren Bürgermeister, Herrn Peter Müller, und natürlich den Bürgern des Ortes, die uns unterstützten und förderten.